Ich erinnere mich an eine frühere Bekannte, die vor gut 15 Jahren sagte: „Unsere Generation, das ist die Generation Plastik. Sollten wir einmal untergehen, werden Altertumsforscher bei Grabungen auf eine dicke Plastikschicht stoßen.“ Das mag witzig klingen und das war es damals auch. Tatsache aber, es ist erschreckend real. Bei dem Thema Plastik (darüber werde ich einen separaten BLOG-Beitrag schreiben) geht es nicht nur um das, was wir sehen, und das ist schon erschreckend, wenn wir an die von Plastikmüll übersäten Strände in der Karibik denken oder Straßen und Flüssen voll verseuchtem Müll in Bangladesch, sondern auch darum, was wir nicht sehen, einatmen und konsumieren in Form von fester und flüssiger Nahrung, durch direkte und indirekte Aufnahme auch über Kosmetika.

Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden alle Kunststoffteilchen bezeichnet, die kleiner als oder gleich 5 Millimeter groß sind. Da es vom Plastik herstammt, ist es ein nicht natürliches Erdöl-Produkt. Basierend aber auf einer natürlichen Ressource.

Wo kommt es her? Wie entsteht es?

Es gibt drei grundsätzliche Wege, wie Mikroplastik entsteht. Erstens durch den Zerfall größerer Plastikteile, dem Prozess der „Verrottung“, wobei das Plastik nicht verrottet, sondern nur stetig kleiner wird, denn es sind Stoffe, die von Mikroorganismen nicht zersetzt werden.

Zweitens durch Abrieb oder Ablösen kleinster Partikel vom Plastik bei Gebrauchsmaterialien wie bspw. Abrieb von Autoreifen beim Fahren, Fahrbahnmarkierungen, Schuhsohlen, Ablösen beim Waschen von synthetischen Textilien wie Fleecepullis, Verwehung der Beläge von Sport-/Spielplätzen.

Und der dritte Aspekt der Entstehung von Mikroplastik ist durch seine Herstellung seitens Industrie, um die Wirkung eines Produktes (vermeintlich) zu erhöhen oder anzupreisen oder um letztlich Müll auf Kosten der Konsumenten zu entsorgen _ zu und auf deren Kosten.

Wo finden wir dieses Mikroplastik also wieder?

Neben der massiven Umweltverschmutzung, die nun jeden Winkel diesen wunderschönen Planeten mit Mikroplastik schon verunreinigt hat (Flüsse, Ozeane, Wälder, Wüsten, Arktis), findet man es in Kosmetika (Zahncreme, Peelings, Make up), auch gesundheits-medizinischen Produkten wie Kontaktlinsen_Reiniger, in Hygieneartikel (Seifen, Duschgels, Shampoos, Cremes) sowie in Putz- und Reinigungsmitteln (Scheuermilch und anderes).

Tatsächlich nimmt der Mensch (im weltweitem Durchschnitt!) bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche auf. Das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte, eines DIN A 4 Blattes, einer Dattel ohne Kern, einem Teelöffel Butter oder einem Teelöffel Zucker.

Mich würde interessieren, wie viel des weltweit produzierten Plastikmülls nun in menschlichen Körpern ein- bzw. zwischengelagert ist. Das ist auch eine Form von Recycling!

Und wie wird es von uns aufgenommen?

Durch direkten Verzehr von kontaminierter Nahrung wie Muscheln, Fisch, aber auch Honig und Salz, Wasser. Durch das Einatmen von Luft. Auch beim Schlafen in Polyester-Kuscheldecken. Durch den Abrieb von Gebrauchsgegenständen im Nahrungsmittelbereich. Schneidebretter aus Kunststoff in Küche, Plastikbesteck, Kunststoffgeschirr und Aufbewahrungen, hauchdünne Folienverpackungen von Lebensmitteln. Durch die Mundhygiene, Zahncreme und Zahnseide.

Warum ist Mikroplastik ein Problem?

1. Es verändert, verschmutzt und zerstört Lebensräume und letztlich unseren Planeten.

2. Es gelangt in unfassbar großen Mengen in die Umwelt, Flüsse und Meere.

3. Es schadet den Tieren. Je nach Größe es Lebewesens im Verhältnis zum Mikropartikel schädigen jene das Gewebe mehr oder weniger und lösen gesundheitsbedrohende Reaktionen hervor, wie Verschlüsse, Entzündungen, Reizungen, innere Verletzungen, permanentes Sättigungsgefühl.

4. Es gelangt über den Nahrungskreislauf, über Plankton, das jenes Plastik aufnimmt, über die Tiere, die das Plankton essen, Tiere, die Tiere essen usw. wieder auf unsere Teller bzw. in unser Trinkwasser und somit wieder in unsere Körper und Mägen.

5. Es kann/wird Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben. Denn, was einst als Schleifmittel in Putzreinigern war, befindet sich irgendwann in unserem Magen-Darm-Trakt wieder und hat dort vermutlich eine ähnliche Wirkung. (Also was einst als Reinigungshilfe angepriesen wurde, verunreinigt in Wirklichkeit!)

6. Es kann nicht entfernt werden. Da jenes Mikroplastik so klein ist und kontinuierlich an Größe abnimmt, kann es nicht einfach am Strand aufgelesen werden oder aus dem Meer gefischt werden. Selbst das Filtern dürfte ein hochtechnisiertes und nicht so leicht zu realisierendes Unterfangen sein, wenn dies überhaupt irgendwann möglich sein sollte.

7. Die Oberflächenbeschaffenheit von Mikroplastik entspricht vergleichend dem eines Magneten. Es zieht Schadstoffe an. Das heißt mit dem Mikroplastik an sich, das schon gefährlich in seiner Aufnahme ist, nehmen Tiere und letztlich auch der Mensch die von Partikel angezogenen Umweltgifte mit auf.

Beispiele für den (Nicht-) Zerfall:

Ein Plastikbecher, der in der Erde liegt braucht angeblich 800 bis 1000 Tage bis er „verrottet“ ist. Wobei Verrottung eigentlich nicht zutrifft. Er zerfällt in immer kleinere Teilchen. Eine Plastiktüte braucht bis zu 20 Jahre bis sie zersetzt ist, eine PET Flasche bis zu 500 Jahre und eine Angelschnur 600 Jahre.

Wie werden Mikroplastik-Teile in Ingredienzlisten bezeichnet?

Eine Möglichkeit, um Mikroplastik in Produkten zu erkennen, bieten APPS wie CODECHECK oder TOXFOX. Jene zeigen bedenkliche Stoffe an. Hier eine Liste von möglichen Bezeichnungen schwer und nicht abbaubarer Polymere:

Acrylates Copolymer (AC)
Acrylates Crosspolymer (ACS)
Nylon-12, Nylon-6
Polyacrylat (PA)
Polyethylen (PE)
Polyethylenterephthalat (PET)
Polymethylmethacrylat (PMMA)
Polypropylen (PP)
Polystyren (PS)
Polyurethan (PUR)
Information, wie jene die auch im Text wiederzufinden sind, gibt es ausführlich auf Seiten von BUND, WWF, Umweltbundesamt, Greenpeace. Aber auch die Stichwortsuche im Internet bringt viel Information und auch in Dokumentationen wird diese Thematik gut beleuchtet.

FAZIT:

Plastik zerfällt zu Mikroplastik und Mikroplastik zu Nanoplastik und so weiter. Und um ein extremes Bild zu zeichnen, müssen wir uns letztlich fragen, woraus unsere Ozeane mittlerweile bestehen? Ob wir tatsächlich noch Wasser in den Weltmeeren haben oder vielleicht schon eine „Suppe“ aus winzig kleinen Kunststoffteilchen unsere Kontinente umgibt. Immerhin sind laut einer Studie von 8 Millionen Tonnen Plastik, die im Meer gelandet sind nur 1 % „aufgetaucht“ bzw. wieder gefunden worden. Wo ist also dieses „vermisste Plastik“? Eine interessante Prognose besagt, dass, wenn der Konsum und die Müllproduktion von Plastik im gleichen Maße weiter geht wie bisher, bis 2050 dem Gewicht nach mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen werden. Es ist deshalb wichtig, dass wir Konsumenten bereits darauf achten, was wir kaufen und konsumieren. Es liegt also auch an uns, dieser enormen Umweltverschmutzung entgegenzuwirken. Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt, also fragt nicht nach Plastik, da wo es möglich ist! Ihr bestimmt mit Eurer Kaufkraft! Mit jedem Verzicht auf Plastik im Einkauf verringern Sie die Zahl des Plastiks auf Ihrem Teller. Und denen Ihrer Kinder. Es ist unsere Pflicht, unser Handeln zu ändern.

 

text/photo: @sabinelandon

19. Dezember 2019

About the author: Sabine Landon
author, nature lover, co-founder of the eden-project in austria, wife & mother
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